Studium mit 40: Ein neuer Weg im Leben
Mit 48 Jahren habe ich den Bachelor begonnen und entdecke, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu gehen und das Leben neu zu gestalten. Studium ist für alle da.
Ich habe vor kurzem mit 48 Jahren ein Bachelorstudium begonnen und ich kann nur sagen: Es ist eine erfrischende und inspirierende Entscheidung. In einer Welt, die häufig von der Vorstellung geprägt ist, dass Bildung etwas ist, das man in den Zwanzigern oder vielleicht frühen Dreißigern abschließen sollte, habe ich mich entschieden, das Gegenteil zu tun. Ja, ich habe die Bibliothek verlegt und mich mit Bleistiften, Heften und unzähligen Online-Ressourcen umgeben, aber es geht nicht nur um den Schlafmangel, den ich mir selbst antue, sondern um eine neue Perspektive auf das Leben, die ich mir selbst ermögliche. Warum sollte ich auf ein Studium verzichten, nur weil ich nicht mehr in den typischen Altersgruppen bin?
Erstens eröffnet mir das Studium neue Horizonte. Es geht nicht nur darum, Abschlüsse zu erwerben, sondern auch um die Möglichkeit, meinen Horizont zu erweitern und neue Denkweisen zu entdecken. Ich habe das Gefühl, dass ich mit jedem neuen Thema, das ich erforsche, nicht nur mein Wissen vergrößere, sondern auch meine Fähigkeit, kritisch zu denken und Probleme zu lösen. Das ist etwas, das man auch außerhalb des akademischen Rahmens braucht – ob im Job oder im Alltag. Die Vielfalt der Perspektiven, die ich in einem Klassenzimmer antreffe, ist unermesslich und ich kann nicht anders, als darüber schmunzeln, wie viele von uns, die älter sind, diesen Reichtum an Wissen in der Praxis in der Regel meiden.
Zweitens, wie könnte ich es wagen, meinen Kindern zu erklären, wie wichtig Bildung ist, wenn ich es selbst nicht ernst nehme? Ich bin überzeugt, dass Bildung eine lebenslange Reise ist, und ich möchte ein lebendiges Beispiel dafür sein, dass man sich stetig weiterentwickeln kann. Wenn ich meinem Sohn und meiner Tochter beibringe, dass Lernen niemals aufhört, dann sollte ich selbst auch die Initiative ergreifen. Es ist aufregend, mit ihnen über meine neuen Erkenntnisse zu diskutieren und sie zu ermutigen, ihre eigenen Leidenschaften zu verfolgen. Weil – seien wir ehrlich – haben wir nicht alle schon das Gefühl gehabt, dass die Erwachsenen oft die leidenschaftlichsten Träumer sind?
Natürlich gibt es auch Zweifel. Viele werden mir sagen, dass ich mich in einem Alter befinde, in dem man vielleicht langsamer lernen sollte oder die „typischen“ Studienjahre hinter sich gelassen hat. Es gibt die Auffassung, dass man mit 48 einfach nicht mehr so lernt wie mit 20. Aber das ist nicht nur Quatsch, das ist auch entmutigend. In Wirklichkeit ist das Lernen für mich nicht nur eine akademische Verpflichtung, sondern ein persönlicher und emotionaler Prozess, der mir neue Energie gibt. Ich möchte nicht nur studieren, um einen Abschluss zu haben, sondern auch, um meine Neugier zu stillen und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Außerdem habe ich festgestellt, dass die Lebenserfahrung, die ich mitbringe, ein unschätzbarer Vorteil ist – ich kann Zusammenhänge erkennen, die andere vielleicht übersehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Studium mit 40 und darüber hinaus keine Herausforderung, sondern eine Gelegenheit ist. Es ist die Chance, sich neu zu erfinden, sich mit Ideen auseinanderzusetzen und am Puls der Zeit zu bleiben. Vielleicht sind die Herausforderungen, mit denen ich konfrontiert bin, in der Tat nicht die gleichen wie die meiner jüngeren Kommilitonen, aber die Neugier und der Drang zu lernen sind universell. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es das: Es ist nie zu spät, eine neue Reise zu beginnen, und genau das nehme ich mir vor – nicht nur für mich, sondern für alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.